Was hat es mit der Diagnostik per Wärmebildkamera auf sich?

Die Thermographie ist ein ganz besonderes bildgebendes Verfahren zur Anzeige der Oberflächentemperatur von Gegenständen oder eben auch Menschen und Tieren, das ursprünglich dafür verwendet wurde, vermisste Personen beispielsweise nach einer Lawine, wieder aufzufinden.

Heutzutage sind die Geräte, mit denen man thermographische Bilder erstellen kann, so ausgereift, dass sie minimalste Temperaturunterschiede sichtbar machen können.

Thermografie beim Pferd, Alternative Diagnostik

Diese Aufnahme des Beines einer Stute zeigt deutlich die erhöhte Temperatur im Bereich des Hufes

Doch wie können wir uns das in der Diagnostik am Tier zunutze machen?

Ein typisches Einsatzgebiet für eine Wärmebildkamera ist beispielsweise eine ungeklärte Lahmheit beim Kleintier oder Pferd. Während im Röntgen und Ultraschall die verschiedenen Gewebsstrukturen dargestellt und auf Läsionen kontrolliert werden, lokalisiert man mithilfe der Thermographie Temperaturunterschiede im Patientenkörper. Eine lokale Erhöhung der Körpertemperatur kann beispielsweise auf entzündliche Prozesse hindeuten, während an einer partiellen Unterkühlung die Stoffwechseltätigkeit heruntergesetzt ist.

Oftmals liegt das Problem des Patienten nicht dort, wo die Symptome entstehen. Bei Rückenschmerzen kann es zum Beispiel durch die Schonhaltung zu Lahmheiten kommen, die dann in der Folge falsch behandelt werden. Diese ursächlichen Regionen werden durch die Wärmebilddiagnostik aufgespürt, sodass die Behandlung nicht mehr symptomatisch erfolgt.

Als Fluchttier ist gerade das Pferd ein Meister darin, Schmerzen so lange wie möglich zu unterdrücken. In der freien Wildbahn bedeutete es für die Vorfahren unserer Pferde nahezu unweigerlich den Tod, wenn man Schmerzen durch Lahmheit deutlich zeigte, das nächste Raubtier wartete nur darauf, gerade die lädierten und schwachen Tiere aus der Gruppe anzugreifen. Diese Instinkte sind auch heute noch tief in unseren Tieren verankert. Wenn man sich dies klar macht, sieht man erst, welch starke Schmerzen ein Pferd hat, welches seine Lahmheit schon durch auffälliges Humpeln zeigt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Thermographie speziell beim Pferd perfekt für die Vorsorge geeignet. Schon bevor das Tier akut Schmerzsignale aussendet, kann man hier durch regelmäßige Prophylaxe einschreiten.

Und ein weiteres tolles Einsatzgebiet für die Wärmebilddiagnostik zeigt sich im Reitsport. Mithilfe einer thermographischen Aufnahme ist es möglich, perfekt zu kontrollieren, ob der Sattel wirklich passt. Welcher Pferdebesitzer kennt es nicht, das leidige Thema, den passenden Sattel für sein Pferd zu finden. Mal ist die Schulter zu eng, sodass der Deltamuskel weggedrückt wird, mal liegt der gesamte Sattel nicht richtig auf. Es gibt unzählige Stellen, an denen die Passgenauigkeit des Sattels von entscheidender Wichtigkeit ist. Und hier kommt die Wärmebildkamera ins Spiel. Eine Aufnahme des Sattels nach dem Reiten zeigt genau, wo der Sattel falschen Kontakt zum Pferderücken hat. Nun kann man diese Aufnahmen zum Beispiel dem Sattler zum Umpolstern mitgeben, oder man entscheidet sich direkt für ein anderes Sattelmodell.

Auch die Gymnastizierung des Pferdes während des Trainings kann mittels Wärmebild kontrolliert werden. Sitzt der Reiter vermehrt zur linken Seite? Wird das Pferd gleichmäßig aufgewärmt? All dies kann die Thermographie zutage fördern.

Die Thermographie als bildgebendes Verfahren in der Veterinärmedizin ist also vielfältig einsetzbar und deshalb aus unserem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken!

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