Der neuste Trend der Futtermittelindustrie zeigt: es gibt immer mehr Menschen, die ihren geliebten Vierbeiner vegetarisch oder sogar vegan ernähren möchten. Doch kann das funktionieren? Und mit welchen Konsequenzen?

Um verstehen zu können, wie gesunde Ernährung funktioniert, bedarf es eines kleinen Exkurses. Neben Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien besteht Nahrung aus 3 Säulen:

Fette – mit der doppelten Kalorienmenge wie Proteine und Kohlenhydrate DER Energielieferant, Träger von fettlöslichen Vitaminen

Proteine (Eiweiße) – Aminosäureketten, aus denen Muskeln, Organe etc. bestehen

Kohlenhydrate – wird zu Glucose umgewandelt und ist dann Energielieferant

Die menschliche Ernährung sollte aus einer ausgewogenen Mischung dieser drei Komponenten bestehen. Hierbei spielt es für den Menschen als Mischköstler keine Rolle, ob der Eiweißgehalt aus tierischen oder pflanzlichen Anteilen gewonnen wird. Zusätzlich kann ein Mensch durch spezielle Nahrungszusätze einer Unterversorgung vorbeugen. Für den Hund als Fleischfresser ist der Unterschied allerdings gravierend! Dass Hunde und Katzen Proteine und Fette benötigen, ist klar. Doch wie steht es mit Kohlenhydraten?

Mangelnde Möglichkeiten der Kohlenhydratverdauung des Hundes

Diese Grafik zeigt die Hauptprobleme des Hundes bei der Verwertung von Kohlenhydraten. Anatomisch sind weder der Hund, noch die Katze gut zur Verdauung von Kohlenhydraten ausgestattet.

Fakt 1

Als Raubtier verzehren Hunde und Katzen hauptsächlich Fleisch, also tierische Fette und Proteine. Kohlenhydrate sind beispielsweise in Getreide, Obst und Gemüse enthalten. Das Raubtier nimmt einen minimalen Anteil Kohlenhydrate aus dem Magen seines Beutetiers beim gesamten Verzehr desjenigen auf. Doch dieser Anteil ist verschwindend gering, er muss bei unseren Hunden in geringem Maße, bei unseren Katzen gar nicht zugefüttert werden. Denn: wie hoch kann der Anteil an Kohlenhydrat im Magen einer Maus schon sein? Der Hund als Carniomnivore benötigt also ein wenig Kohlenhydrate, die Katze als reiner Carnivore hingegen braucht sie gar nicht, weswegen eine vegetarische oder vegane Ernährung hier absolut nicht artgerecht ist.

Fakt 2

Anders als im menschlichen Speichel, befindet sich in dem des Hundes kaum α-Amylase, sodass Kohlenhydrate hier nicht in großer Menge aufgespalten werden können, was die Verdauung für den Hund stark erschwert. Getreide hat also in Hunde- und Katzenfutter nichts zu suchen! Hinzu kommt, dass hierdurch das Milieu im Maul des Hundes verändert wird, Bakterien können sich besser ansiedeln, Karies und Parodontose drohen. Schon am Gebiss des Hundes und der Katze lässt sich erkennen, dass dieses ausschließlich zum Verzehr von Fleisch gemacht ist. Die langen, spitzen Fangzähne dienen zum Ergreifen und Töten der Beute, die scherenartigen Backenzähne zerkleinern das Fleisch und mit den vergleichsweise kleinen Schneidezähnen können Fleischreste vom Knochen genagt werden. Der Mensch hingegen besitzt als Allesfresser Merkmale von Fleisch- und Pflanzenfressern am Gebiss, also zusätzlich zu Fangzähnen auch mahlende Backenzahnflächen, weshalb für ihn eine Mischkost kein Problem darstellt.

Fakt 3

Auch der kurze Dünndarm und die Darmflora des Hundes und der Katze zeigen, dass diese nicht auf Kohlenhydrate ausgerichtet sind. Dies äußert sich dann in Verdauungsproblemen, wie beispielsweise Durchfall. Wer den Stuhlgang seines Hundes aufmerksam beobachtet kann feststellen, dass die hinterlassenen Haufen signifikant an Größe und Häufigkeit abnehmen, wenn der Hund ausreichend mit Fleisch versorgt wird. Anders als zum Beispiel bei der Fütterung mit Trockenfutter, kann der Hund hier fast alles verwerten und es muss sehr wenig ausgeschieden werden.

Fakt 4

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Ernährung des Hundes ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis. Diese Antagonisten im Hundekörper sollten im Verhältnis 1,3:1 vorliegen. Ist diese Aufteilung aus dem Gleichgewicht, kommt es zu ernst zunehmenden Erkrankungen. Ist der Phosphor-Wert zu hoch, kann dies auf Dauer zu einem Hyperparathyreoidismus, einer Entmineralisierung des Skeletts und damit einhergehendem bindegewebigem Umbau, führen. Der Hund leidet also unter zu weichen, biegsamen Knochen, die Folgen müssen wohl nicht näher erläutert werden. Bei einer Überdosierung von Calcium hingegen wird die Aufnahme anderer Nährstoffe wie Zink und Kupfer gestört. Zusätzlich wird zuviel Calcitonin ausgeschüttet, ein Hormon, das in zu großer Menge, negative Auswirkungen auf den Ab- und Umbau von Knochensubstanz und die Knorpelzellen hat. Man sieht also deutlich, wie elementar es ist, dass diese beiden Stoffe im ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Dies ist durch die Fütterung von vegetarischer oder gar veganer Kost nicht zu gewährleisten.

Lässt man nun die tierischen Fette und Proteine aus ethischen oder wie auch immer gearteten Gründen weg und stellt zusätzlich ein Futter ohne Getreide her, was bleibt dann noch? Hier ist eine Unterversorgung des Tieres vorprogrammiert.

Schon beim barfen entstehen oft Fütterungsfehler, die Mangelerscheinungen hervorrufen können. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung kommen noch die hierdurch induzierten hinzu.

 

 

 

 

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